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Stierkampf in Spanien
Man ist immer schnell mit der Verurteilung eines Stierkampfes mit tödlichem Ausgang für den Stier. Betrachtet man jedoch die Geschichte der „Corrida de Toros“, dann kann man vielleicht verstehen, warum es in Spanien noch heute Stierkämpfe im klassischen Sinne gibt. Doch nicht überall auf der Iberischen Halbinsel ist Stierkampf erlaubt. Auf den gesamten Kanarischen Inseln ist der „tödliche“ Stierkampf verboten.
Es sind uralte Rituale, die seit dem frühen 18 Jahrhundert beinahe unverändert geblieben sind, die in den zum Teil historischen „Plaza de Toros“ jedem Kampf vorangehen. Eine „Corrida“ ist in 99,9 Prozent der Fälle das Ende für sechs Stiere pro Veranstaltung, die speziell in den großen Ländereien Andalusiens gezüchtet werden. Den Tod bringen die Matadore. In Spanien sind es Berühmtheiten, die in der Popularität von Fußballspielern in nichts nachstehen.
Da in Spanien etwa 2000 Corridas stattfinden und pro Veranstaltung sechs Stiere getötet werden, ergibt sich die erschreckende Zahl von etwa 12.000 Tieren, die ohne große Überlebenschance in die großen Arenen geschickt werden. Es gibt jedoch auch Quellen die behaupten, dass bei allen Stierkämpfen insgesamt bis zu 70.000 Stiere getötet werden.
Das Ende des Stieres kommt nach etwa zwanzig Minuten, wenn der Matador seinen reich geschmückten Degen im Rücken des Tieres versenkt. Mit viel Glück tritt der Tod sofort ein, doch diese Kunst des Tötens beherrschen nicht alle Matadore gleichermaßen. Das treibt die Tierschützer auf die Barrikaden – international, aber auch in Spanien selbst.
Doch der Matador ist niemals alleine in der Arena. Es gibt noch unzählige Toreros und Banderilleros sowie Picadores zu Fuß und auch zu Pferd, die den Stier durch verschiedenste Aktionen an den Rande des Wahnsinns treiben. Erst dann tritt der Matador in Aktion: mit rotem Tuch und Degen. Dann jubelt das Volk, bejubelt den Tod eines Tieres. Das alles ist für Nicht-Spanier, die sich interessehalber einen Stierkampf ansehen, ein grausames Spiel.
Um ein Matador zu werden, muss man eine echte, nicht immer einfache Ausbildung bewältigen. Er beginnt als Novillero, wo er mit Jungstieren seine ersten Erfahrungen sammelt. Spezielle Corridas muss er durchlaufen. Und hat er dies mehr oder weniger unverletzt überstanden, dann wird er in feierlicher Zeremonie zum Matador ernannt. Jetzt hat er das Recht, in den großen Arenen gegen große Stiere zu kämpfen.
Alle Matadore haben sich eigene Künstlernamen zugelegt. So der vielleicht berühmteste aller noch lebenden Stierkämpfer Manuel Benítez Pérez, der unter dem Namen „El Cordobés“ zu einer Legende wurde. Doch der Star unter den Matadores war zweifellos Manuel Sánchez, der sich „Manolete“ nannte und bereits 1947 ein Ende fand, das eigentlich dem Kampfstier „Islero“ zugedacht war. Er starb auf den Hörnern des Stieres.
Auch wenn Umfragen eine Stierkampf-Ablehnung von 70 Prozent der Bevölkerung ergaben, bringen Live-Übertragungen im Fernsehen Einschaltquoten, die nur gering unter denen von Fußballspielen liegen.
Wer einen Stierkampf erleben möchte, darf nicht mit allen seinen Vorurteilen dort hin gehen. Man kann sich auch von dem Ritual und auch der grandiosen Musik leiten lassen. Der Paso Doble ist die Musik des Stierkampfes. Er wird vom Einmarsch der Toreros bis, zum Ende der Corrida immer wieder gespielt. Trotzdem: Man muss ja nicht zum Stierkampf gehen.
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